KOSA LA VITA

KOSA LA VITA
2013

Kosa la Vita (Kiswahili = Kriegsverbrechen) Trailer

Kosa La Vita (kisuahili = Kriegsverbrechen)

In der Forschungsresidenz flausen - young artists in residence am theater wrede+ in Oldenburg entwickelten Flinntheater und Quartett PLUS 1 gemeinsam eine Form von musikalischem Dokumentartheater.

Inhalt war der laufende Kriegsverbrecherprozess gegen Dr. Ignace Murwanashyaka und Straton Musoni. Als Präsident und Vize-Präsident der Hutu-Miliz FDLR sollen sie von Süddeutschland aus per Handy und Internet u.a. Massaker an der Zivilbevölkerung im Ost-Kongo gesteuert haben. Ausgehend von diesem Fall erforschen wir mittels Musik und Sprache die Möglichkeiten der globalen Kommunikation und die Schwierigkeiten ihrer juristischen Übersetzbarkeit sowie ihrer künstlerischen Darstellbarkeit.

Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Stuttgart markiert eine neue Ära globaler Verwicklungen: Ein Krieg im Kongo wird mutmaßlich per SMS aus Deutschland befehligt. Deutsche Ermittler müssen im Kongo Beweise für Kriegsverbrechen sammeln. Zeugen im Kongo werden per Live-Videostream durch das Stuttgarter Gericht befragt. Zum ersten Mal kommt das Völkerstrafgesetzbuch in Deutschland zur Anwendung.

Unser Ansatz setzte auf sechs gleichwertige Performer (4 Musikerinnen und 2 Schauspieler), die verschiedene Sprachen nutzen, übersetzen, kommentieren, aufeinandertreffen lassen. Das Streichquartett eignete sich musikalisches Material an – von Minimal Music über Patterns kongolesischer Musik bis zur Transkription von Sprache. Parallel fanden die Sichtung und Aufarbeitung des Prozessmaterials statt (veröffentlichte Berichterstattung, eigene Prozessbeobachtung, Gespräche mit Experten). Anschließend wurde im interdisziplinären Dialog an ästhetischen Umsetzungen geforscht.

Von und mit Konradin Kunze, Katharina Pfänder, Lisa Stepf, Sophia Stepf, Kristina van de Sand, Kathrina Hülsmann, Simon Zigah
Kompositon Mathias Schubert
Mentor Dirk Cieslack

Showings: 2013/2014 am theater wrede+ in Oldenburg, in Hannover im Rahmen von "Best of Niedersachsen" und in den Sophiensaelen Berlin.

Ein Projekt von Quartett PLUS 1 und Flinntheater. Ermöglicht durch flausen-young artists in residence, ein Stipendienmodellprojekt vom theater wrede+.
Mit freundlicher Unterstützung von Land Niedersachsen, Stiftung Niedersachsen, EWE-Stiftung, Stadt Oldenburg und Musik 21

 

Kosa la Vita by Flinn Works

Presse

Wrede selbst aber scheinen die Aus- und Aufbruchstendenzen wichtiger, das Wagnis und der Mut, etwas zu probieren: So kommt es, dass ein bereits im Vorjahr gefördertes Projekt 2015 erneut zur Residenz eingeladen ist, diesmal nach Bielefeld: "Was die vorhaben, das ist total wichtig", sagt Wrede, "aber auch so groß", sagt er, "viel zu groß, eigentlich", zumal das Kasseler Flinntheater und Quartett PLUS 1 aus Hannover zuvor noch nie zusammen gearbeitet haben."Kosa la Vita" lautet die Überschrift des Forschungsvorhabens, "das klingt so nett", klärt Wrede darüber auf, dass es in Wirklichkeit Kisuaheli sei und Kriegsverbrechen bedeutet. Die Gruppen lassen sich auf eine Recherche zu dem Prozess gegen Ignace Murwanashyaka und Straton Musoni vorm Stuttgarter Oberlandesgericht ein, die von Baden-Württemberg aus per Handy und Internet Massaker im Kongo gelenkt haben sollen. Kein Mensch kann heute sagen, ob sich das mit Bühnenmitteln je sinnvoll erfassen lässt. Aber was wäre ein Theater, dass nicht einmal mehr die Möglichkeit erkundet? Dem bliebe "nur die Flucht in die Gefälligkeit", sagt Wrede. "Wenn man nicht mehr scheitern darf, dann ist die Kunst tot."
(Nachtkritik.de)