Mangi Meli Remains

Mangi Meli Remains
2018

Videoskulptur und Fotoausstellung

In Old Moshi, Tansania, wird ein Kopf vermisst. Chief Mangi Meli kämpfte dort gegen die deutsche Kolonialmacht und wurde im Jahr 1900 hingerichtet. Sein Kopf, so erzählt man sich bis heute, sei nach Deutschland verschifft worden. Felix von Luschan hortete damals tausende Schädel aus aller Welt für die 'Rassenlehre' im Völkerkundemuseum. Noch immer lagern viele davon in Berlin, auch aus Old Moshi. Mangi Melis Enkel sucht seit 50 Jahren nach dem Haupt seines Großvaters, bis jetzt ohne Erfolg.

Doch Spuren von Mangi Meli finden sich in Liedern, Erzählungen und Archiven. Ein tansanisch-deutsches Team entwickelt daraus eine Videoskulptur, ein Animationsfilm zeichnet das Leben des Freiheitskämpfers, seinen gewaltsamen Tod und die mögliche Reise seines Kopfs nach. Historische Fotos und Dokumente ergänzen die Ausstellung. Mangi Meli Remains wird von Berlin über Dar Es Salaam nach Old Moshi reisen und dort als Platzhalter für den fehlenden Kopf am Originalschauplatz dauerhaft an ihn erinnern.

Künstlerische Leitung, Konzeption, Texte, Animation Konradin Kunze
Konzeption, Texte, Ausstellung Sarita Lydia Mamseri
Storyboard, Zeichnungen Amani Abeid, Cloudy Chatanda
Animation Sharron Mirsky, Malte Stein
Sound Design, Komposition Dr. Andi Otto
Erzähler Nkwabi Elias Ng'hangasamala, Michael Ojake
Gesang Mary Charles Mrema
Technische Lösungen Georg Werner
Übersetzungen Rehema Chachage, John Sagati
Historische Beratung Dr. Holger Stoecker, Prof. Arnold Temu
Community Beratung, Organisation Old Moshi Gabriel Mzei Orio
Mündliche Überlieferung Isaria Anael Meli
Produktionsmanagement Helena Tsiflidis

Eine Flinn Works Produktion in Zusammenarbeit mit dem Ethnologischen Museum Berlin und dem Tieranatomischen Theater der Humboldt-Universität zu Berlin. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa, das Goethe-Institut Tansania und Between Bridges.

Tieranatomisches Theater der Humboldt-Universität zu Berlin, Campus Nord
08. November 2018 19 Uhr Vernissage
09. November 2018 - 12. Januar 2019 Dienstag - Samstag 14 - 18 Uhr
als Teil der Ausstellung THE DEAD, AS FAR AS [  ] CAN REMEMBER

ab Februar 2019 Ausstellung in Dar Es Salaam und Old Moshi

Für weitere Informationen schreiben Sie bitte an: ausstellung@flinnworks.de

Presse

"In der Ausstellung selber geht es vor allem um Perspektivwechsel. Besonders eindrücklich zeigt dies ein Raum, in dem es um eine persönliche Suche geht, die Suche eines Enkels nach dem Schädel seines Großvaters. (...) Doch die Suche selber ist zu einem Narrativ geworden. Der Schauspieler und Regisseur Konradin Kunze hat die Geschichte dieser Suche gemeinsam mit tansanischen Künstlern in einem Theaterstück und einem Animationsfilm verarbeitet, der in die halb zerborstene Schale eines Tontopfes projiziert wird. Denn in Melis Heimat ist es üblich, die Häupter der Verstorbenen in Tontöpfen zu beerdigen. Eine Leerstelle, die schmerzt. Doch wer hat am Ende der Geschichte die Deutungshoheit? Die Antwort auf diese Frage scheint in der Ausstellung Mangi Meli selbst zu geben. Sein fast lebensgroßes Porträt hängt an der Wand: Kraftstrotzend, jugendlich, steht er da, herablassend blickt er seinem Fotografen ins Gesicht. Der Blick eines Unterworfenen ist das nicht." - deutschlandfunk

"Seit 50 Jahren ist Isaria Anael Meli auf der Suche nach dem Schädel seines Großvaters. Chief Mangi Meli, Held des tansanischen Widerstands gegen die koloniale Gewaltherrschaft im einstigen Deutsch-Ostafrika, wurde erhängt und enthauptet, sein Kopf vermutlich nach Deutschland verschifft. Melis Name steht stellvertretend für die unzähligen Personen, die in den früheren deutschen Kolonialgebieten von Mitgliedern der Schutztruppen umgebracht wurden. Deren Gebeine missbrauchte die anthropologische Forschung im Kaiserreich zur Produktion rassistischer Diskurse. Das biologistische „Wissen“ – auch an deutschen Unis erfunden – sollte die Unterdrückung und Ausbeutung der als minderwertig konzipierten „Anderen“ gleichsam legitimieren. Heute wird der Kopf von Mangi Meli in einer jener Schädelsammlungen vermutet, die noch immer in deutschen Archiven lagern. Dem grausamen und hierzulande sträflich vernachlässigten Kapitel deutsch-afrikanischer Geschichte und der Frage des heutigen Umgangs damit widmet sich nun die engagierte Ausstellung „The dead, as far as ( ) can remember“ im Tieranatomischen Theater der HU. (...) So wurde der Abschnitt „Mangi Meli Remains“, der die Geschichte jenes unbeugsamen Widerstandskämpfers und die Suche seines Enkels nach dessen Kopf dokumentiert, vom Theaterkollektiv Flinn Works in Zusammenarbeit mit tansanischen Künstlern gestaltet. Im Zentrum steht ein brüchiger Tonkrug, in dessen Inneres ein Animationsfilm über Leben und Sterben Mangi Melis projiziert wird. (...) Es steht zu hoffen, dass sich mit Ausstellungen wie dieser daran etwas ändert. Und dass Mangi Melis Enkel den Kopf seines Großvaters letztendlich nach Hause bringen kann." - tagesspiegel

„Als Deutscher kann ich nichts aus einer afrikanischen Perspektive beschreiben“
Interview mit Konradin Kunze Goethe-Institut