Eine Produktion von Flinntheater
Von und mit Sonata, Lisa Stepf, Lea Whitcher (Recherche und Performance), Sophia Stepf (Regie), Andi Otto und Florian Hacke (Musik), Philippe Werhahn von Ting Ding (Kostüm), Marie Winnie Wilka (Regieassistenz), Susana Alonso (Technische Leitung), ehrliche arbeit – freies Kulturbüro (Produktionsleitung)
Gefördert von Mitteln des Regierenden Bürgermeisters von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten, Fonds Darstellende Künste e.V., Hessisches Ministerium für Kunst und Wissenschaft, Kulturamt der Stadt Kassel, Gerhard-Fieseler-Stiftung
Die Recherchereise wurde gefördert vom Goethe-Institut Dhaka. Die Schulvorstellungen wurden gefördert von Well-Being-Stiftung und Kulturamt der Stadt Kassel.
Sophiensæle Berlin: 21. Mai (Premiere) - 23. Mai 2015 / Kulturhaus Dock 4 Kassel: 28. - 30. Mai 2015 / Schlachthaus Theater Bern: 21. - 24. Oktober 2015 / Theater Tuchlaube Aarau: 28. - 31. Oktober 2015 / Staatstheater Kassel: 4. - 6. November 2015 / Deutsches Hygiene Museum: 27. Februar 2016
So komplex das Dilemma, so intelligent die Inszenierung. Sie verhandelt das Thema nicht, ohne die Aufführungssituation und die Rolle der Beteiligten mitzudenken. Und doch verbreitet das Stück nicht nur Galgenhumor. «Songs of the T-Shirt» erzählt auch vom Einsturz der Rana-Plaza-Fabrik im Jahr 2013. Auch um die Kunst und ihre Selbstbezogenheit geht es hier. Dieses Theater aber weist über sich hinaus: Am Ende kann das Publikum T-Shirts eines jungen Berliner Labels erwerben. Genäht von Arbeiterinnen in Bangladesh, denen ihre Fabrik auch gehört.
Sie portraitieren ganz verschiedene Blicke und Perspektiven auf das Thema, und sobald man sich in einem davon etwas zurechtfindet kommt ein Bruch, und das nächste Bild. Es ist der grandiosen Regie (Sophia Stepf) und der schauspielerischen Leistung (Lisa Stepf, Lea Whitcher, Sonata), aber vor allem auch dieser augenscheinlich sehr langen Recherchearbeit zu verdanken, das das so gut funktioniert.
Die kleine Produktion ist so gut gemacht, dass die spielerisch vorgestellten Fakten tatsächlich im Gedächtnis haften bleiben. Und es berührt zutiefst, wie unter den Trümmern des eingestürzten Rana Plaza Gebäudes begrabene Frauen sich Beine und Arme abschneiden oder abschneiden ließen, um frei zu kommen.
Den Brecht im Hinterkopf, muss sich der Zuschauer fragen, wie er beim nächsten T-Shirt-Kauf vorgeht. Bei H&M gäbe es eine „Conscious-Collection“, aber wie viel reines Gewissen steckt wirklich dahinter? Soll man lieber beim Neuköllner Jungdesigner kaufen, im „Sweatshop in der Reuterstraße“? Oder: doch bewusst „Made in Bangladesh“ auswählen, weil mit Boykott niemandem geholfen ist? Oftmals, auch dies lehrt der Abend, greift unsere westliche Logik zu kurz.
